Mai 2026 bringt für Beobachterinnen und Beobachter in Bayern einen Mix aus Meteoren, auffälliger Venus‑Mond‑Geometrie und einem zweiten Vollmond im Monat. Mit kurzen, praktischen Tipps lässt sich das Beste daraus machen.
Eta‑Aquariiden: was zu erwarten ist
Die Eta‑Aquariiden entstehen, wenn die Erde die Staubspur des Halleyschen Kometen (1P/Halley) kreuzt. Diese Partikel verglühen als helle Lichtspuren in der oberen Atmosphäre (Ablation: Verglühen durch Reibung und Erwärmung).

Der Radiant (Himmelspunkt, von dem Meteorspuren scheinbar ausgehen) liegt nahe Eta Aquarii im Sternbild Wassermann. Verlängert man Meteorspuren rückwärts, sammeln sie sich um diesen Punkt — wie Wasserstrahlen, die aus einer Düse kommen.
Das jährliche Maximum der Eta‑Aquariiden fällt 2026 in das erste Mai‑Jahrzehnt (in Beobachterkreisen wird oft rund um den 6. Mai genannt). Die International Meteor Organization (IMO) listet einen Peak‑Zeitraum; die theoretische Zenithal Hourly Rate (ZHR) — die geschätzte Meteorrate unter idealen, zenitnahen Bedingungen — kann in südlichen Breiten deutlich höher liegen (bis ~50). In Mitteleuropa bleibt der Radiant tief am Himmel, sodass in Bayern typischerweise deutlich weniger Meteore pro Stunde sichtbar sind.
Praktische Beobachtungstipps
Suchen Sie freie Sicht nach Südost und einen möglichst dunklen Standort. Legen Sie sich bequem hin und lassen Sie die Augen 20–30 Minuten dunkeladaptieren (Dunkeladaptation: Anpassung des Auges an schwaches Licht).
Verwenden Sie kein Fernglas für die Allgemeinbeobachtung — es verengt das Sichtfeld. Für Meteore sind weitwinkelige Aufnahmen und viele kurze Belichtungen erfolgreicher als eine einzige lange Aufnahme, weil so größere Himmelsteile abgedeckt werden.
Venus und Mond: ein heller Abendpunkt
Venus bleibt im Mai ein markanter Abendstern; sie ist oft schon in der Dämmerung sichtbar, weil sie ein hohes Albedo‑Leuchten und meist eine große scheinbare Helligkeit hat. Ein kleines Fernglas (z. B. 7×50) zeigt die schmale Mondsichel schön, ein kleines Teleskop lässt die Phase von Venus erkennen (Phase: sichtbarer beleuchteter Anteil eines Himmelskörpers).
Auch Jupiter und Saturn sind beobachtbar: Jupiter wird später in der Nacht besser stehen, Saturn taucht gegen Monatsende in der Morgendämmerung wieder auf. Die genauen Auf‑ und Untergangszeiten hängen vom Standort in Bayern ab — prüfen Sie die lokalen Ephemeriden.
Der zweite Vollmond im Mai: was 'Blue Moon' wirklich bedeutet
Der Begriff "Blue Moon" beschreibt hier den zweiten Vollmond in einem Kalendermonat — es handelt sich um eine Kalenderkuriosität, nicht um eine tatsächliche Blaufärbung des Mondes.
Ephemeriden geben für den exakten Zeitpunkt der Vollmondphase eine präzise Uhrzeit an. Kleine Zeitverschiebungen durch unterschiedliche Zeitskalen (UTC versus lokale Sommerzeit) können die Zuordnung zum Kalendertag beeinflussen. Überprüfen Sie daher kurz vor der Beobachtung die aktuelle Ephemeride für Ihren Ort.
Technik und fotografische Hinweise
Für Planeten und Mond reicht oft ein gutes Fernglas (z. B. 7×50 oder 10×50). Ein kleines Teleskop zeigt bei Jupiter Wolkenbänder und bei Saturn die Ringe, die Detailerkennbarkeit hängt aber stark vom Seeing (atmosphärische Unruhe) ab — das flimmern lässt sich mit dem Effekt heißer Luft über einer Straße vergleichen.
Wer Meteore fotografieren will, arbeitet mit Stativ, kurzer Brennweite (Weitwinkel) und Serienaufnahmen (z. B. Bulb‑Serien oder Intervallaufnahmen). Viele kurze Belichtungen erhöhen die Chance, einzelne Meteore zu erwischen, ohne Bildrauschen und Sternspuren zu sehr zu verlängern.
Kurz und praktisch: Checkliste für Bayern
- Dunkler Standort mit freiem Horizont nach Südost für Eta‑Aquariiden. - Augen 20–30 Minuten dunkeladaptieren; Rotlicht statt Weißlicht verwenden. - Vor der Beobachtung lokale Auf‑/Untergangszeiten und aktuelle Ephemeriden prüfen. - Kamera: Stativ, Weitwinkel, Serienaufnahmen; für Planeten: kleines Teleskop bei stabilem Seeing.
Redaktionshinweis: Zeitpunkte für Maximum und Vollmond basieren auf Ephemeridenabfragen; bitte vor der Beobachtung aktuelle JPL/USNO/IMO‑Daten prüfen. Wir aktualisieren den Text bei signifikanten Abweichungen.